BQN-Berlin

Aufbau von Diversity-Kompetenz in der Verwaltung

„Geil ein Türke, das wird entspannt. Da machen wir heut bestimmt nicht bis 16 Uhr, sondern früher frei“, das war der erste Gedanke der Lena* in den Kopf schoss als sie Serdar Yazar, den Trainer des Diversity-Trainings, wahrnahm. Die Bilder in unseren Köpfen von den Türken, Musliminnen oder Homosexuellen sind präsent – 15 Trainees der Senatsverwaltung für Inneres und Sport gingen dem spielerisch und selbstreflexiv 16 Stunden, am 4. und 5. Februar, auf den Grund. Angeleitet und moderiert von den BQN Diversity-Trainer*innen Elisa Bongiovanni und Serdar Yazar. Der Berliner Bär schaute als stiller Beobachter den gruppendynamischen Prozessen von oben zu.

Von außen betrachtet eine recht homogene Gruppe junger weißer Menschen zwischen 25 und 35 Jahren. Studiert im Recht oder in der Betriebswirtschaftslehre, viele Einzelkinder, mehr Frauen als Männer, einige wenige die vier Sprachen fließend sprechen. In ein paar Jahren werden sie als Beamte im Referat Islamismus, Rechtsextremismus oder vielleicht Ausländer- und Asylrecht sitzen. „Als Baustein für einen guten Einstieg in die Berliner Verwaltung möchten wir mit den Trainings die Nachwuchskräfte des allgemeinen nichttechnischen Dienstes in ihrem persönlichen Verhalten sensibilisieren und ihre Diversity-Kompetenzen stärken“, berichtet Christian Sauer, Leiter der Ausbildungs- und Einstellungsbehörde der Hauptverwaltung der Senatsverwaltung für Inneres und Sport.

„Diversity“ ist in aller Munde – konkret bedeutet es Vielfalt von Menschen und Lebensformen. Die gibt es in Berlin zu genüge – und in der Verwaltung? „Naja, daran arbeiten wir und daran ein System zu schaffen, das allen zu Gute kommt“, sagt Serdar Yazar. „Ein homosexueller Mensch sollte sich offen zu seiner Homosexualität bekennen können, auch im Arbeitsumfeld, ohne Angst haben zu müssen, ins Abseits gedrängt zu werden“, ergänzt Elisa Bongiovanni. Darauf zielt Diversity – die Anerkennung und Wertschätzung aller Menschen unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, sexuellen Orientierung, Religionszugehörigkeit oder Weltanschauung, ihrem Geschlecht oder Lebensalter. Dabei geht es nicht nur um die Akzeptanz von Unterschiedlichkeiten, sondern immer auch um die Entdeckung von Gemeinsamkeiten.

Der demographische Wandel verbunden mit einem bereits vorhandenen Fachkräftemangel, macht es zudem auch dringend erforderlich, die unterrepräsentierten Gruppen unserer Gesellschaft stärker einzubinden und teilhaben zu lassen. Das funktioniert im Arbeitsumfeld nur mit einem guten Management. Denn Unterschiedlichkeiten provozieren Konflikte – lassen wir diese zu, entspringen aus den vielen Meinungen, Denkweisen und Perspektiven kreative und überraschende Lösungswege.

Und reicht ein zweitägiges Seminar aus, um diversity-kompetent zu sein? Serdar Yazar betont: „Es ist ein Anstoß, eine erste Sensibilisierung. Langfristig geht es darum selbstreflektiv immer wieder die eigenen Denkmuster kritisch zu beobachten, eine wertschätzende, empathische Haltung gegenüber den Mitmenschen zu entwickeln und dies in sozialen Interaktionen zum Ausdruck zu bringen“.

* Name von Redaktion geändert

 

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